Balkantour 2019

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Frank XF
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Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 00:46

Reisebericht Balkantour 2019

Wir sind Claudia und Frank aus Siegen unterwegs auf Suzuki XF650 Bj.2001-80kkm und Honda Transalp XL650V Bj.2002-110kkm.
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Wir lieben das Reisen mit dem Motorrad, den ganzen Tag auf dem Bock zu sitzen und dabei schöne Orte, Landschaften und nette Menschen kennen zu lernen. Dabei sind wir immer offen dafür unsere Route kurzfristig zu ändern oder auch mal länger an einem Ort zu bleiben wenn er uns besonders gut gefällt. Seit 2008 haben wir 10 längere Motorradreisen durch Südosteuropa unternommem. Andere belächeln uns aufgrund des ganzen Gepäcks was wir mitschleppen, aber das gibt uns die maximale Freiheit unterwegs flexibel zu sein. Vom Zelt bis zum Kochgeschirr haben wir alles dabei und können fast überall autark (und halbwegs bequem) übernachten. Wir sind nicht die typischen "Camping Only" - Biker, die Städte meiden wie die Pest und am liebsten an einsamen Orten campen. Wir fahren auch schon mal gerne in die Orte hinein und versuchen etwas von der Stimmung einzufangen, Leute kennen zu lernen und haben auch nichts gegen ein gutes Hotel/Pension - wenn es passt.
Unsere diesjährige Tour führte uns über Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien an die Schwarzmeerküste deren Verlauf wir nach Süden gefolgt sind. Türkei, Istanbul, Bosporus, halb um´s Marmarameer und die türkische Ägäisküste ein Stück hinunter. Von dort per Fähre auf die griechische Insel Lesbos. Ein paar Tage Entspannung auf Lesbos und dann mit der Fähre nach Kavala - etwas östlich von Chalkidiki. Schließlich in 2 strammen Fahrtagen über Bulgarien, Serbien und Ungarn zurück nach Österreich.
Ich habe versucht bei Kurviger.de unsere Reiseroute ungefähr "nachzubauen" aber das funktioniert leider ab der Türkei nicht mehr. Bis zur türkischen Grenze funktioniert es noch einigermaßen: https://tinyurl.com/y2htbz84 Danach leider nicht mehr aber man kann hier ungefähr sehen wo wir hergeschraddelt sind: https://tinyurl.com/yxc74vy2
Es gibt nicht so viele Fotos und nur ganz wenige wo auch Motorräder drauf sind. Wir genießen den Moment, fahren nicht zurück um etwas nochmal zu fotographieren und machen gar keine "gestellten" Fotos. Es gibt nur ein paar Handyschnappschüsse - sorry.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 00:52

Tourbericht:
Tourstart war am 13.07.2019 in einem kleinen Ort etwas südlich von Wien.

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Den ersten Tourtag sind wir sehr entspannt angegangen. Ausschließlich kleine Landstraßen durch die "bucklige Welt" Richtung Südosten. Nach Ungarn rein und es fängt an zu regnen.

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Ungarn - Ich mag das Land nicht besonders. O.k.: Budapest bei Nacht ist ganz schön. Aber ansonsten gibt Ungarn für Motorradfahrer nicht viel her. Es ist alles flach und es gibt kaum Kurven. Irgendwie ist Ungarn immer nur im Weg und es dauert meist einen ganzen Tag bis man dadurch ist. Auf unserer diesjährigen Tour musste ich allerdings dazu lernen dass der Nordwesten Ungarns durchaus Potential hat und (kurzzeitig) ein paar schöne Motorradstrecken bietet. Hier gibt es sogar kleine Hügel die die Ungarn als "Berge" bezeichnen.

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Das Fahren macht anfänglich viel Spass. Dann wird der Regen stärker und wir sitzen an einer Tankstelle eine Unwettewrfront aus. Auf einem dieser ungarischen Hügel steht eine große Stupa, die Friedensstupa von Zalaszántó. (https://de.wikipedia.org/wiki/Friedens- ... A1nt%C3%B3)
Der Weg dorthoch führt über einen unbefestigten Waldweg und das ist gut um reinzukommen, sich an das beladene Motorrad zu gewöhnen und es macht Spass. Das Wetter wird besser und oben rund um die Stupa findet man ein schönes gemütliches Areal. Perfekt für eine kleine Pause.

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Weiter auf kleinen Straßen, vorbei am Balaton nach Kaposvár wo wir in einem Super-Quartier übernachten und noch etwas den Ort erkunden.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 00:53

Tag 2:
Nach diesem schönen Tourstart wollen wir am zweiten Tag mal ein paar Meter machen und fahren zunächst etwa 230km kleine Landstaßen bis nach Szeged. Dann setzen wir uns auf die Autobahn, passieren die rumänische Grenze und nehmen die restlichen 200km für heute relativ zügig. Am späten Nachmittag suchen wir uns ein Hotel in Lugosch. Hier gibt es tolle alte Häuser mit imposanten Fassaden. War früher bestimmt mal eine prächtige Stadt. Die meisten Gebäude sind leider am verfallen. Aber man ist gerade dabei das Stadtzentrum zu sanieren. Wir haben noch einen schönen Abend in Lugosch.

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Frank XF
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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 00:57

Tag 3:
Heute möchten wir die Südkarpaten erkunden. Und zwar diesmal von West nach Ost. Denn die Transalpina und die Transfagarasan sind wir auf vergangen Touren beide schon mehrfach gefahren und wir möchten mal etwas Neues sehen. Zunächst die DN68 und DN66 bis nach Petrosani. Man beachte die ausgefeilte Bildkomposition mit dem Storchennest im Rückspiegel der Freewind. (Ist natürlich Zufall)

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Wir müssen ein Gewitter mit Starkregen aussitzen. (Warum steht die Freewind ausgerechnet da wo die Dachrinne überläuft ?)


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Der Regen wird schwächer und kurze Zeit später beginnt ein Highlight unserer diesjährigen Tour: Die DN7A. Tolles Sträßchen, wir sind hier nahezu alleine unterwegs und eine großartige Landschaft. Zunächst ein landschaftlich schönes Tal an einem kleinen Fluss entlang

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Die Wallachei ist schön !

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:07

Das Tal wird enger, steiler und führt in eine bewaldete Schlucht.

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Die Straße wird nach und nach schlechter, macht aber viel Spass zu fahren. Am Ende der Schlucht endet auch der Asphalt. Ein unbefestigter Waldweg mit bis zu 17% Steigung (stand zumindest auf den Schildern) führt die Westrampe des Passes hinauf. Eigentlich nicht weiter Schlimm aber es fängt genau hier wieder stark an zu regnen. Ich mache mir Gedanken darüber ob Claudia mit der Freewind das ohne Stollenbereifung mit Gepäck überhaupt schaffen kann. Denn es wird schlammig. (Die Transalp ist auf K60 Scout unterwegs - das geht noch etwas besser bei diesen Verhältnissen) Wir reden nicht groß darüber und fahren langsam aber zügig in einem Guss ohne anzuhalten den Pass hinauf. (Deshalb gibt es auch leider wieder keine Bilder davon) Hier ist außer uns fast niemand unterwegs. Aber kurz vor der Passhöhe kommt uns ein Pärchen auf einer Tiger und einer GS entgegen die ziemlich am straucheln sind. Klar - bergrunter ist das nochmal schwieriger als bergauf. Wir können leider nicht anhalten denn erneut anfahren wäre unmöglich bei dieser Steigung, dem Schlamm und mit Gepäck. So eiern wir teils im stehen bei strömendem Regen der Passhöhe entgegen. Auf der Passhöhe beginnt wieder Asphalt - alles cool - Abenteuer !
Ein Lob an den Dunlop Trailsmart auf der Freewind, dem ich vorher ganz sicher nicht zugetraut hätte solch matschige Bedingungen zu meistern ! (Ich bekomme keine Provisionen oder Vorteile) Der Satz Trailsmart war allerdings auch ganz neu.
Passhöhe:

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Den Pass runter, der Regen wird weniger und unten kreuzt die DN7A die Transalpina, die DN67C.

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Auch der weitere Verlauf der DN7A entlang des Sees Lacul Vidra und durch kleine Dörfer ist sehr toll. Die Straße ist zwar ziemlich "buckelig" aber bietet mindestens genaus so viele Kurven wie die Transalpina. Gut, die spektakulärem Aussichten der Transalpina hat man hier nicht. Es geht meist durch bewaldetes Gebiet. Aber dafür sind wir hier fast alleine unterwegs. Wir fahren noch bis nach Râmnicu Vâlcea und übernachten in einem wirklich superguten Hotel (trotzdem günstig) mit sehr freundlichem Personal. Der Typ an der Hotelrezeption ist auch Biker und supernett. Er sagt er habe die Freiheit einmal im Monat eine Buchung seiner Wahl ohne Mehrkosten upzugraden auf ein besseres Zimmer. Seine Wahl wäre auf uns gefallen. Jetzt haben wir also eine Luxus Suite mit Whirlpool und allem drum und dran. Gibt ja Schlimmeres ... - Danke !!!
Zuletzt geändert von Frank XF am 16. Sep 2019, 02:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:11

Tag 4:
Am nächsten Tag wollen wir eigentlich ausschließlich "Fun-Biken". Pässe und Straßen fahren die wir aus vergangenen Rumänientouren in guter Erinnerung haben. Dazu gehört der "Bran-Pass" von Campulung Richtung Brasov (DN73). Aber die "Wetter-Fee" ließ uns leider ziemlich hängen. Wir fahren noch trocken los ...

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... aber schon nach kurzer Zeit fängt es an zu schütten.
Wir sind die DN73 zum letzten Mal vor 4 oder 5 Jahren gefahren. Damals war sie offensichtlich vor kurzem neu asphaltiert worden und wirklich eine Motorrad Traumstrecke. Jetzt ist die Strasse ziemlich kapputt und eine Asphalt-Buckelpiste. Ich frage mich wie eine Strasse in so kurzer Zeit so kaputt gehen kann. Ist wahrscheinlich dem starken LKW-Verkehr geschulded der sich auch dort hinaufquält. Die LKW´s kann man ja bei trockenem Wetter relativ easy fast überall überholen. In der Pisse macht das keinen großen Spass.

"Die Straße ist das Leben" steht auf dem Monument, das passt doch.

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Wir fahren an Bran vorbei und lassen das Draculaschloss rechts liegen. Da waren wir nämlich schon mal. Das sogenannte "Draculaschloss" in Bran ist ein Fake. Nur eine Touristenattraktion. Er soll dort lediglich einmal übernachtet haben - mehr nicht. Außerdem ist das Aufgebot der Touristenbusse dort sehr hoch. Vor 5 Jahren war es hier (gefühlt) noch nicht so voll.

Dracula-Land:

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Der Regen wird stärker und uns wird allmählich etwas frisch. Wir hatten uns eigentlich noch viel mehr vorgenommen für diesen Fahrtag. Wollten noch mehr kleine Straßen und Pässe in Transsilvanien erkunden. Haben aber beide heute keinen Bock mehr bei dem starken Regen.

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Wir beschließen unsere Tagesetappe zu verkürzen und auf schnellstem Weg Richtung Süden zu fahren wo das Wetter besser sein soll. Die DN1 Richtung Süden ist nicht so schön zu fahren und extrem voll. Aber in Ploiești ist es wieder trocken und warm. Sicher kein Ort den es lohnt extra anzufahren, aber wir finden hier für heute alles was wir brauchen. Ein gutes, günstiges Motel (Die haben sogar ein großes Schwimmbad) und ein gutes Restaurant.
275km Landstraße im Regen reicht uns für heute.
Zuletzt geändert von Frank XF am 16. Sep 2019, 02:12, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:15

Tag 5:
Heute steht eine Verbindungsetappe an. Als "Verbindungsetappe" bezeichnen wir eine Tagesetappe in der es ausschließlich darum geht möglichst schnell von A nach B zu kommen. Normalerweise planen wir unsere Routen lieber abseits von großen Straßen. Sind auch immer offen dafür spontan mal kleine Straßen auszutesten die interessant aussehen. (Gerne auch Schotter) Das endet zwar dann auch schon mal in einer Sackgasse, manchmal findet man aber auch tolle Orte oder Aussichten. Verbindungsetappen sind also meist eher langweilig weil man mehr Haupstraßen fährt. Warum machen wir so etwas ? Wie wahrscheinlich bei den meisten von euch auch muss sich die Tour mit dem gewährten Urlaub des Arbeitgebers vereinbaren lassen. Das ist der Hauptgrund und da muss man schon mal Kompromisse eingehen. Es gibt aber auch Gegenden die einfach nur sehr langweilig und öde zu fahren sind. (z.B. Ungarn) Dann gibt es noch Strecken die wir in der Vergangenheit schon öfter gefahren sind und die ihren Reiz (für uns) verloren haben. Auf die heutige Etappe treffen jedenfalls alle 3 Kriterien zu.
Also: So schnell wie möglich an´s schwarze Meer und zwar nach Bulgarien. Das Wetter ist gut und es wird zum erstem Mal richtig heiß. In Bukarest verlieren wir ziemlich viel Zeit im Stau.

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Die rumänisch-bulgarische Grenze über die Donau passieren wir über die imposante alte Donaubrücke bei Russe. Leider gibt es hier unsererseits auch wieder kein gutes Bild von der Brücke. Hier ein Link: https://tinyurl.com/yxjwy4kp
Die Grenzformalitäten sind erstaunlich unkompliziert und in einer guten halben Stunde sind wir auf der anderen Donauseite.

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Auf der bulgarischen Seite gibt es erstmal keine Autobahn mehr. Landstraße und jeder fährt als wäre der Teufel hinter ihm her. Besonders spannend ist es da wo die Straße manchmal (für wenige Kilometer) dreispurig wird. Die mittlere Spur dient zum Überholen - klar. Aber oft zum Überholen für beide Seiten gleichzeitig. Spannend, aber gewöhnt man sich auch dran. Es ist hilfreich sich hier als Motorradfahrer beim Überholen mit allen zur Verfügung stehenden optischen und akustischen Mitteln bemerkbar zu machen. Zusatzscheinwerfer und Stebel sind gute Hilfsmittel und definitiv ein Sicherheits-Plus. Das nimmt einem auch Niemand krumm, denn das machen hier alle so. Motorradfahrer sind hier allerdings nur sehr, sehr selten unterwegs und die Dosenfahrer nicht so daran gewöhnt.
Noch wichtig zu wissen: Auf Bulgariens Landstraßen ist die Dichte der Blitzer sehr hoch. Meistens sieht man sie allerdings rechtzeitig. Das sind weiße Kleintransporter die hinten keine Scheiben haben. Offensichtlich sehr modern, die blitzen von vorne und von hinten. Die sind scheinbar alle miteinander vernetzt - und das funktioniert auch. Denn bei der Ausreise aus dem Land kann man sich an der Grenzstation alle Bilder sehr hochauflösend ansehen ...
Dann stoßen wir auf die A2 und sind recht flott in Warna. Wir fahren noch ein gutes Stück die Küste rauf Richtung Norden. Möchten versuchen dem hier ansässigen Massentourismus etwas zu entkommen, was gar nicht so einfach ist. Wir übernachten in einer kleinen Pension direkt am Strand. Ein Familienbetrieb mit wenigen Zimmern den es schon gab bevor hier die riesigen Bettenburgen gebaut wurden. Etwas rustikal aber sehr gemütlich. (Allerdings schwer zugänglich)

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Der perfekte Ort für unseren ersten Day-Off. Wir lassen es uns am nächsten Tag mal richtig gutgehen. Unterhalten uns noch bis spät in die Nacht (bei diversen Kaltgetränken) mit den Eigentümern die auch schon eine Menge von der Welt gesehen haben.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:18

Tag 7:
Der Day-Off am Strand war super und heute können wir es auch wieder relaxed angehen. Wir fahren die Schwarzmeerküste hinunter Richtung Süden. Möchten uns noch ein paar Orte ansehen. "Nessebar" wurde uns empfohlen. Auf der kleinen Halbinsel finden sich viele Bauwerke aus byzantinischer Zeit. Die schöne alte Architektur hat es allerdings schwer sich gegenüber den Ständen mit billigen Souveniers durchzusetzen.

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Wir haben dort noch gut gegessen und sind dann aber relativ schnell wieder verduftet.
Wir möchten weiter nach Sozopol, wo ich 2008 im Rahmen einer anderen Motorradtour von Deutschland nach Israel schon einmal war. (siegen-jerusalem.de) Sozopol habe ich in positiver Erinnerung. Eine der ältesten Städte Bulgariens.
Nerviger Stau in der Gegend um Burgas. Aber nachmittags sind wir in Sozopol und müssen leider feststellen daß sich auch hier in den letzten 10 Jahren viel verändert hat. Es ist sehr voll. Weil wir so früh sind erkunden wir zu Fuß´noch die komplette Altstadt. Ganz nett.

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Wir finden durch Zufall einen Blues/Jazz Club in einem Innenhof. Das war sehr gemütlich dort und hier verbringen wir auch den Abend. Bei guter, handgemachter live Musik mit Musikern aus Frankreich.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:24

Tag 8:
Müssen nochmal etwas mehr Gas geben heute denn wir möchten nach Istanbul. Wir nehmen nicht die übliche breite Landstraße von Burgas nach Malko Tarnovo. Denn es gibt eine kleine kaum befahrene Straße durch die Wälder von Zarewo zur Grenze. Die Straße 99 schlängelt sich erst der Küste entlang Richtung Süden und biegt dann nach Westen ab. Sie führt etwa 80km durch die nahezu unbewohnten Wälder im Grenzgebiet Bulgarien/Türkei. Eine ziemliche Buckelpiste aber genau das richtige Terrain für Freewind und Transalp. Niemand hier außer uns und wir fliegen durch die kurvenreichen Wälder. Auf halber Strecke zur Grenze noch eine unerwartete Kontrolle der bulgarischen Grenzpolizei. Alles cool, freundliche Beamte die nur unsere Reisepässe checken und uns eine gute Fahrt wünschen. Kurz vor der Grenze trifft man wieder auf die Hauptstaße. Hier gibt es doch tatsächlich eine Tankstelle die wirklich ernstzunehmenden, guten Espresso aus einer Profimaschine für 50 Cent anbietet. Jetzt habe ich die Chance endlich richtig wach zu werden - klappt auch.

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Die bulgarisch-türkische Grenze ist etwas langwieriger, war ja zu erwartem. Es gibt anscheinend ein paar Bilder von uns... Ich hatte den Eindruck dass man als Deutscher an der bulgarischen Grenze etwas bevorzugt behandelt wird - mein Eindruck kann aber auch täuschen. Jedenfalls können wir irgendwann weiterfahren ohne etwas zu bezahlen. Die türkische Kontrolle ist zwar noch zeitaufwändiger aber es läuft alles absolut korrekt.

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Das ist doch ein kleiner Ritterschlag für die Freewind. Die XF hat bislang 21 Länder gesehen. Heute kommt das 22. dazu. Geil !
Hinter der Grenze ist die Straße in einem Top-Zustand. Nach weiteren 80km Landstraße stoßen wir auf die O3 Richtung Istanbul. Die O3 ist mautpflichtig. Die haben in der Türkei so ein elektronisches Mautsystem das nennt sich HGS. Das funktioniert so ähnlich wie eine Prepaidkarte. Man muss dieses System benutzen, es gibt keine Alternative. Die Karte kann man mit einem Guthaben aufladen, aber nur per Kreditkarte, Barzahlung geht nicht. Wir möchten uns (in der Türkei 2019) lieber mal korrekt verhalten. Suchen eine Stelle (Postamt) wo man die HGS-Karte erwerben kann. Das ist gar nicht so einfach zu finden. Warten dann geduldig in der Schlange am Schalter. Beim Erwerb dieser HGS-Prepaid-Mautkarte wird einem vom (sehr entspannten) Schalterbeamten erstmal eine mehrseitige "Belehrungsbroschüre" in türkisch vorgelegt. Die Belehrung gibt es auch nur in türkischer Sprache. Man muss auf jeder Seite unten unterschreiben obwohl man kein Wort verstanden hat. Anschließend sackt der Beamte die Broschüre mit meinen Unterschriften wieder ein. Eine Kopie gibt es nicht. Dann muss man noch weitere Zettel in türkischer Sprache unterschreiben. Ein Notartermin über einen Hausverkauf in Deutschland ist dagegen Kinderkacke. Ich leiste insgesamt 18 Unterschriften und bezahle abschließend etwa 16€ pro Motorrad. Der Beamte zuckt mit den Schultern, lächelt mich an und murmelt auf englisch so etwas wie "türkische Bürokratie". Er kann ja nichts dafür aber über eine Stunde Zeit verloren. Um es Abzukürzen: Die ganze HGS-Kacke hat in den nächsten 4 Tagen in der Türkei nicht ein einziges Mal fuktioniert. Bei den Maut-Kontrollstellen blieben bei uns die Schranken immer unten. Wie soll das auch gehen ? Die Kameras erfassen die Nummernschilder mit denen die HGS-Karten verknüpft sind und wir haben vorne nun mal keine Nummernschilder. Ich musste an einigen Kontrollpunkten auch schon mal richtig laut werden. Dann haben die Beamten uns aber auch immer ziehen lassen. Wir haben ja nichts falsch gemacht, brav vorher unsere Maut gezahlt aber irgendwie funzt das System bei Mopeds überhaupt nicht.
Die O3 Richtung Istanbul. Auf der schmalen Landbrücke zwischen dem schwarzen- und dem Marmarasmeer zieht es wie Hechtsuppe. Besser gesagt es stürmt. Die heftigen Böen machen uns etwas zu schaffen. Die versetzen einen ständig um eine halbe Fahrspur ohne das man etwas dagegen machen kann. So klein wie möglich machen. Auf den Brücken ist es am schlimmsten. 2 oder 3 Mal werden wir von den Sturmböen einfach auf die andere Fahrspur gedrückt, sehr unangenehm. Die LKW´s fahren auf Brücken exakt in der Mitte der Autobahn weil sie nämlich dasselbe Problem haben. Wir probieren unterschiedliche Geschwindigkeiten zwischen 90 und 130 km/h aus, ist aber kaum ein Unterschied. Also so schnell wie möglich dadurch.
In der Türkei scheint es kein Rechtsfahrgebot zu geben. Es wird nicht automatisch auf der linken Spur am schnellsten gefahren. Und es wird ständig rechts überholt. Höllisch aufpassen und hellwach sein !
Wir haben mit dem ganzen Gepäck natürlich einen CW-Wert wie ein Scheunentor. Der Spritverbrauch erhöht sich bei diesem starken Wind erheblich. In unserem Duo geht der Transalp (trotz größerem Tank) immer zuerst der Sprit aus. Der V2 zieht sich ziemlich was rein bei diesen Verhältnissen. "Nicht so schlimm" denke ich mir, denn bislang gibt es etwa alle 20-30km eine Tankstelle. Seltsamerweise kommt aber ab etwa 80km vor Istanbul leider keine Tankstelle mehr... (Es gibt noch eine, aber die hat geschlossen)

Istanbul, diese Stadt ist so wahnsinnig groß. 15 Millionen Einwohner. (7x so viel wie Paris und 4x so viele wie Berlin) West-Ost Ausdehnung etwa 70 Kilometer. Ich weiß das viele da ganz anderer Meinung sind, aber ich finde die Stadt ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Außerdem glaube ich dass das Motorrad hier das brauchbarste Fortbewegungsmittel ist. So kann man in diesem Verkehrschaos noch einigermaßen schnell von A nach B kommen. Man muss allerdings jederzeit hellwach sein und sollte über ein ausgeglichenes Gemüt verfügen.
Durch die gigantischen Häuserschluchten der Vororte mit den völlig überdimensieonierten türkischen Flaggen. Das macht schon Eindruck. Dann muss ich mich sehr auf die Navigation konzentrieren und schenke der (ungenauen) Tankuhr der Transalp nicht mehr so viel Beachtung. Kilometermäßig hätte ich es auch eigentlich locker noch bis an unser Ziel am Bosporus schaffen müssen. Aber das wird mir zu heiß denn ich fahre schon länger auf "empty". Irgendwo mitten in Istanbul fahre ich von der Autobahn ab. "Donnerknitter hier wird es doch wohl irgendwo eine Tankstelle geben ?" Schon auf der Abfahrt stottert der Motor, ich rolle noch in eine Seitenstraße und dann ist endgültig Ende. "Nicht so schlimm" denke ich mir, denn ich habe einen Schlauch dabei mit dem wir von der Freewind was abzapfen können. Aber viel besser noch: Beim Blick nach rechts stellen wir fest dass wir genau vor einer Honda Motorradwerkstatt liegen geblieben sind. Cool ! Die Leute sind sehr nett, die haben zwar auch keinen Sprit aber jemand von der Werkstatt setzt sich in sein Auto und besorgt einen Kanister frischen Treibstoff. Mir ist das alles extrem peinlich, meine innere Stimme spricht zu mir: "Du Vollpfosten ! Willst Fernreiseerfahren sein und fährst in der größten Stadt Europas trocken."
Shit happens. Die Transe hatte wegen des starken Windes 1,5L mehr verbraucht als normal, über 8L/100km. Wir kommen mit den Leuten der Werkstatt ins Gespräch. Einer von ihnen spricht etwas Englisch. Alles Biker, aber sie sagen dass sie in Istanbul kaum noch Motorrad fahren. Die Dosenfahrer hier könnten keine Motorradfahrer leiden weil die sich immer vordrängeln würden. Es gäbe einen regelrechten "Krieg" zwischen Motorrädern und Dosen. (Das haben wir glücklicherweise in der kurzen Zeit wo wir dort waren nicht so schlimm wahrgenommen) Die Istanbuler Biker packen ihre Enduros lieber am Wochenende auf den Hänger und fahren außerhalb der Stadt in den Wäldern offroad. Jedenfalls vielen Dank an Metbay Motor Istanbul für die spontane Hilfe. https://tinyurl.com/y3mo24sz

Jetzt sind es nur noch 25km bis zu unserem Ziel. Das goldene Horn, die Altstadt des ehemaligen Konstantinopels. Wir haben vorab eine Unterkunft mitten in der Altstadt gebucht. Einfach, hat aber eine Dachterasse mit einer gigantischen Aussicht. Obwohl wir heute durch den langwierigen Grenzübergamg, die HGS-Kacke, den starken Wind und meiner Dämlichkeit viel Zeit verloren haben sind wir doch am frühen Abend in der Altstadt Konstantinopels. Wir treffen noch ein Pärchen die gemeinsam auf einer 1200erGS von Frankreich nach Georgien unterwegs sind. Cool !

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Super Abend in der Altstadt, noch viel gesehen und der Abend wurde noch etwas länger ... An der Hagia Sophia hängt ein Schriftzug zum Gedenken an die Opfer des Terroranschlags von 2017.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:27

Tag 9:
Day-Off in Istanbul.
Unsere Location in Istanbul ist eigentlich gut und bietet eine super Aussicht von der Dachterasse über den Bosporus und die Altstadt.
Sie liegt allerdings zwischen gefühlt 50 Moscheen. Und das hat auch einen Nachteil: Der Muezzin ist gnadenlos und brüllt in der Morgendämmerung das erste Mal vom Minarett. Man sitzt schlagartig kerzengerade im Bett ob man will oder nicht. Höllenmäßig laut mit verzerrtem Megaphonsound. Danach fangen auch die Muezzine aller anderen Moscheen an zu schreien und abschließend scheinen sie sich noch längere Zeit zu "batteln".
Na ja, dann sind wir wenigstens früh wach heute. Sightseeing Istanbul. Sehr interessant und durchaus eine positive Stimmung im westlichen Teil der Stadt. Viele freundliche Menschen. Der türkische Schiffsverkehr ist genau so chaotisch wie der Verkehr auf den türkischen Autobahnen. Mit den typischen Urlaubsbildern möchte ich euch nicht langweilen. Hier mal nur 4:

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Am alten Bahnhof steht noch eine deutsche Dampflok Baujahr 1874:

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:34

Tag 10:
Verbindungsetappe an die türkische Ägäisküste.
Heute ist sozusagen "türkischer Brückentag". Vom goldenen Horn zunächst über die Galata-Bridge und natürlich die Bosporusbrücke ...

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... auf die östliche Seite des Bosporus.

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Die Grenze von Europa nach Asien. Das ist doch wieder ein kleiner Ritterschlag für die Freewind. Stau im östlichen Teil Istanbuls. Wir mogeln uns durch so gut es geht. Es ist heiß. Dann auf die O5 Richtung Süden. Es geht eine lange Steigung hinauf und oben hat man eine geniale Aussicht auf den Golf von Izmit. Die Meerenge wird überspannt von der viertgrößten Hängebrücke der Welt, der Ozman Gazi bridge: https://tinyurl.com/yydatpad
(Wir haben leider wieder keine guten Bilder davon)
Die Fahrt über diese Brücke zählen wir zu den Highlights unserer diesjährigen Tour. Es ist allerdings auch wieder sehr windig hier. Südlich vom Marmarameer vorbei an Bursa und ab Balıkesir noch 140km Landstaße nach Ayvalik an der türkischen Ägäisküste. Wir möchten eigenlich von hier auf die griechische Insel Lesbos übersetzen.
Es gibt anscheinend keine festen Fahrpläne der Fähre und ohne Türkischkenntnisse war es mir im Vorfeld unmöglich genaueres herauszufinden. Ich wusste nur dass hier die Fähre nach Lesbos ablegen soll. Ich frage einen Hafenarbeiter und der schickt uns zu einer Agentur. Da gibt es auch jemanden der ganz gut englisch spricht. Es ist 18:15 Uhr und die Fähre hat um 18:00 Uhr abgelegt. Die nächste Fähre von hier geht erst in 4 Tagen. Shit ! Er sagt wir hätten noch eine Chance wenn wir noch etwas weiter nach Süden in den Ort Dikili fahren würden. Dort würde es morgen Abend noch eine Fährverbindung nach Lesbos geben.
Das war heute schon ein strammer Ritt durch die Hitze, mit dem Wind und den anfänglichen Staus in Ost-Istanbul. Es fällt uns nicht so leicht uns noch einmal zu motivieren und wieder auf den Bock zu setzen. Nützt ja nix, wir fahren die Küste weiter runter nach Dikili. Hier soll morgen um 18:00 Uhr eine Fähre nach Lesbos ablegen. Wir suchen uns eine kleine Pension von der kaum positive Erinnerungen geblieben sind. Aber das eiskalte Efes zischt in unseren Kehlen nach knapp 500 Kilometern Verbindungsetappe. Abends besuchen wir noch ein Fischrestaurant und vielleicht war gerade das ein riesengroßer Fehler.
Zuletzt geändert von Frank XF am 16. Sep 2019, 02:34, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:38

Tag 11:
Wir müssen ja leider warten und haben Zeit. Also ausschlafen, ausgdehntes Frühstück und anschließend an den Strand. Gibt ja Schlimmeres. Die Insel Lesbos liegt direkt vor uns und scheint viel näher als es eigentlich ist. Ein großes türkisches Patrouillenboot kreuzt vor der Küste. Um 17:00 Uhr sind wir am Hafen. Langwierige Grenzformalitäten - klar EU-Außengrenze. Aber alles korrekt. Wir fahren auf eine sehr kleine Fähre, kleiner als so manche Rheinfähre. Die Überfahrt ist relativ teuer. Viel Betrieb ist hier nicht, außer uns gibt es noch einen PKW, 2 Mopeds und ein paar Griechen ohne Fahrzeug die mitwollen.

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Wir können nicht pünktlich ablegen weil uns das türkische Patrouillenschiff "zugeparkt" hat. Der Kapitän der Fähre versucht aus der engen "Parklücke" herauszukommen. Wir kommen dem türkischen Marineschiff (was ziemlich neu aussieht) sehr nahe. Die Marinebesatzung wird nervös und sie werfen Fender raus. Ist auch nötig denn eine kurze Berührung gibt es trotzdem. Dann werden Taue gespannt und die Fähre mit Winden aus der engen "Parklücke" (ich weiß nicht wie das bei Schiffen heißt) gezogen.
Dann mit der Nussschale auf´s Meer. Erheblicher Seegang und Claudia die schnell seekrank wird schlägt sich tapfer. Aber es ist auch toll in die tiefstehende Sonne zu fahren mit dem Gefühl gleich in einem anderen Land anzukommen.

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Lesbos - für uns ganz neu. Mal sehen wie es dort ist. Wenn es nichts ist verduften wir sofort wieder. Wir sind gespannt. Haben uns zunächst einen Ort ganz im Südosten der Insel ausgesucht den wir uns mal ansehen möchten. Das Auschecken im Hafen der Inselhauptstadt Mytilini dauert auch wieder. So rollen wir erst kurz vor 20:00 Uhr vom Hafengelände. Von hier bis zu unserem Zielort sind es eigentlich nur 90km. Man versichert uns allerdings glaubhaft dass wir dafür wenigstens 2 Stunden benötigen würden. Es dämmert und wir geben Gas. Ich habe auf dem Garmin "schnellste Route" eingegeben. Das GPS lotst uns dann allerdings erst über eine kleine Straße in ein bewaldetes Gebiet. Kurze Zeit später sieht man auf einmal Menschenmassen auf der Straße. Wir nehmen Tempo raus und fahren langsam durch die Menschentraube hindurch. Uns wird klar wo wir uns befinden. Das Flüchtlingscamp Moria. Diese Eindrücke sind kurz aber sehr intensiv. Man kommt sich vor wie in einem Ort in Westafrika. Mit dem Unterschied dass die Straße asphaltiert ist und hier Olivenbäume wachsen. Das Camp kann die Massen von Flüchtlingen gar nicht aufnehmen weil es ursprünglich nur für max. 3000 Menschen gebaut wurde. Jetzt Leben hier aber dreimal so viele die sich links und rechts der Straße im Olivenwald niedergelassen haben. Diese Menschen müssen hier sehr lange ausharren bis ihr Asylantrag überhaupt mal bearbeitet wird. Das kann schon mal 2 Jahre dauern.
Es passt nicht in ein Motorradforum hier mehr zu schreiben. Aber die Eindrücke nur bei der Vorbeifahrt am Moria-Camp waren so heftig dass wir uns noch tagelang damit beschäftigt haben.
Es wird dunkel. Wir kommen wieder auf eine breitere Straße und geben richtig Gas. Das bleibt aber nicht lange so. Die letzten 40km geht es auf einem kleinen, sehr kurvenreichen Sträßchen durch die Berge. Stockfinster und man kommt sichtbedingt nicht mehr schnell vorwärts. Asphaltiert aber oft liegt viel Sand auf dem Weg und immer wieder Viehzeug was über die Fahrbahn huscht. Das zieht sich und man kann sich nur schwer vorstellen dass hier irgendwann noch ein Ort kommen soll.

Um es kurz zu machen:
Der Ort kommt tatsächlich noch und ist einfach nur genial. Gemütlich und sehr, sehr freundliche Menschen. Wohlfühlatmosphäre und ein schöner Strand. Der perfekte Ort um hier ein paar Tage zu bleiben.
Zuletzt geändert von Frank XF am 16. Sep 2019, 02:54, insgesamt 3-mal geändert.

Frank XF
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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:42

Tag 12 ff:
Dünnschiss auf Lesbos.
Erst war noch alles cool. Wir gehen früh morgens schwimmen und Frühstücken. Claudia fühlt sich nicht so gut. Ihr Zustand verschlechtert sich bis zum Nachmittag dramatisch. Fieber und Magenprobleme. Sie ist berufsbedingt ja "vom Fach" und deshalb haben wir auch eine große Reiseapotheke dabei. Versuchen das erst mal selbst in den Griff zu bekommen. Wir haben ein Appartement gemietet. Am nächsten Tag geht es ihr noch schlechter. Sie liegt bei 38 Grad Außentemperatur mit dem Schlafsack im Bett und zittert wie Espenlaub. Ich mache Wärmflaschen. Von draußen hört man im Hintergrund eine Stimme über einen Lautsprecher. "Nein, schon wieder dieser Muezzin" murmelt sie im Fieberwahn. Aber nicht jeder verzerrte Megaphonsound stammt von einem Muezzin. Es ist nur der mobile Gemüsehändler mit seinem Pickup der seine Waren anbietet.
Als es nach 3 Tagen immer noch nicht besser wird suchen wir einen Arzt auf. Es ist irgendein übler Virus gegen den man nicht viel machen kann. Schonkost und Bettruhe. Das könne bis zu einer Woche dauern. Erwähnenswert: Der umfangreiche Arztbesuch in Griechenland ist kostenlos. "It´s public and it´s free for all".
Tja, so langsam müssen wir uns aber dringend mal Gedanken über die Rückreise machen. Eigentlich wollten wir auf dem Rückweg noch etwas in den Rhodopen rumschraddeln. Hatten dort eine schöne Tour geplant. Das fällt alles aus denn Claudia ist absolut fahruntüchtig. Erst nach 5 Tagen geht es ihr ein klein wenig besser. Aber nur so viel dass sie mal stundenweise das Bett verlassen kann. Erst nach einer Woche ist sie wieder fahrtüchtig. Es ist Donnerstag. Das wird jetzt ziemlich eng, denn wir müssen beide eigentlich am kommenden Montag wieder arbeiten.

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Frank XF
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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:48

Rückreise:
Freitags nehmen wir die Fähre nach Kavala. (Etwas östlich von Chalkidiki) Und dann in zwei ziemlich strammen Fahrtagen zurück nach Österreich. Haben noch einen schönen, Abend in Novi Sad. Die Grenzübergänge nach Serbien und Ungarn sind an diesem Rückreisewochende die Hölle. (Die Route war ja eigentlich nicht so geplant)

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Am ungarischen Grenzübergang ist schon 4km vorher Stau auf der Autobahn. Auf dem Standstreifen stehen die LKW´s und beide Fahrspuren sind hoffnungslos zugeparkt. Kein Durchkommen, selbst mit dem Motorrad. Ich frage mich was passiert wenn da mal jemand einen Arzt braucht. (Wir haben dass anders gelöst aber das kann ich hier schlecht beschreiben) Nach der Grenze noch ein größerer Stau. Aber dann kommen wir ganz gut vorwärts. Wieder Stau um Budapest. Ab Györ fahren wir wieder Landstaße. Von Ungarn nach Österreich kennen wir einen kleinen Grenzübergang wo es keine Kontrollen gibt. Das klappt auch. Schöner Tourabschluss, wieder durch die "bucklige Welt" kurz vor Sonnenuntergang. Am längsten hat es dann noch gedauert hier (nach 19:00 Uhr) irgendwo ein paar kalte Büchsen überteuertes Bier aufzutreiben.

Glücklich, zufrieden, dankbar und müde erreichen wir unseren Ausgangspunkt. Was für eine geile Tour ! Mensch und Maschine gut angekommen !


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Tourfakten:
- 4300km in 11 Fahrtagen incl. 10 teils langwieriger Grenzübergänge.
- Eine Woche "Zwangsurlaub" auf der Insel Lesbos. (War trotzdem schön. Werden wahrscheinlich nochmal hinfahren um dort noch mehr zu entdecken)

Positives:
- Keine technischen Probleme
- Dunlop Trailsmart ist top auf der Freewind ! Kann mehr als man denkt.
- Blue Star Ferries: Noch nie einen so guten Service auf Mittelmeerfähren erlebt. Freundlich, sauber, günstig, gutes bezahlbares Essen und pünktlich.
- Extrem freundliche Menschen auf Lesbos kenengelernt.

Sehr hilfreich und m.E. definitiv ein Gewinn an Sicherheit:
- Zusatzscheinwerfer
- laute Hupe, Stebel
- Communication Sena SMH10 (seit 10 Jahren)

Negatives:
- Es dauert jetzt wieder so lange bis zur nächsten großen Tour

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Frank

Frank XF
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Re: Balkantour 2019

Beitragvon Frank XF » 16. Sep 2019, 01:52

P.S.:
Ach, es gibt dann doch noch etwas wovon wir relativ viele Bilder haben:

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