Motorradfahrer Spirit

Alles was nicht in die anderen Bereiche passt
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der_ausreiter
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Motorradfahrer Spirit

Beitragvon der_ausreiter » 28. Sep 2016, 10:12

Ich muss euch von gestern erzählen.
Dem Motorrad-Virus bin ich jetzt seit ca. Juli 2015 verfallen (selber fahren darf ich seit Anfang August diesen Jahres) und seit dem habe ich drei sehr unterschiedliche Arten von Typen kennengelernt, wenn es in Gesprächen um das Thema Moped geht:

Der Anti-Biker: "Du hast zwei kleine Kinder. Motorradfahren bedeutet, dass du stirbst, deine Frau zu einer Witwe machst und deine Kinder ohne Vater aufwachsen müssen. (leider gehören sehr viele meine engsten Freunde zu dieser Gattung :cry: )

Der Neutrale: "Keine Knautschzone, wa!? Kann mir vorstellen, dass das Spaß macht. Pass halt auf."

Der Biker: "Es gibt nichts besseres als Moped. Punkt."

Gestern habe ich für meinen Bruder in seiner Wohnung auf einen Handwerker gewartet. Er war ca. 2 Stunden beschäftigt und hat mich wohl beim Telefonieren "belauscht", als ich von einer Probefahrt auf der FW diesen Freitag schwadroniert habe.

Beim Verabschieden hat er mir dann in gefühlten 45 Minuten leidenschaftlich erzählt, dass er und seine Frau auch fahren (Dolomiten und Co. mit Kawasaki GPR und Versys), sein Sohn und seine Schwiegertochter (beide über 100 kg, Triumph Tiger, 136 PS, schiebt beide jeden Berg hoch) und dass sein Vater Motorradrennfahrer war.
Dann kam etwas, was ich bisher bei allen Bikern, die ich in meinem Umfeld lokalisieren konnte, bemerkt habe: "Ich weiss, wie geil das Hobby ist, ich möchte, es dir auch ermöglichen". Der Handwerker, Dieter, hat mich & Family zum Kaffee und Kuchen INKL. Probefahrten auf allen seinen Maschinen eingeladen, denn man "muss ja den Lappen auch nutzen" und seine Maschinen sind "eh das ganze Jahr angemeldet".
Möglicherweise hatte ich bisher Glück, aber diese "Verrückheit" erkenne ich bisher bei allen, die Motorrad fahren. Ich mag das :)

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Nautikfan
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Re: Motorradfahrer Spirit

Beitragvon Nautikfan » 28. Sep 2016, 11:56

Tja, das Problem kenne ich auch. Aber nicht nur im Gespräch mit Dritten, sondern auch mit mir selbst. 2 Kinder (4 und 1) sitzen eben gedanklich immer mit auf dem Bike.
Einerseits ist das gut so, denn dann fährt man vorsichtig. Andererseits aber bleibt mal wohl auch immer etwas mehr unter dem persönlichen Limit, als man vielleicht gehen könnte. Das letzte Quäntchen zum Fahrspaß fehlt dann mal.
Früher, ohne Kinder, hätte ich mich mit einem Motorrad wahrscheinlich gelegt. Und als etwa die Hälfte der damaligen Clique damit angefangen hat, kam ich über die Funktion des faszinierten Zuschauers an der Nordschleife nicht hinaus, wenn die Kumpels sich dort oft gute Runden geliefert haben. Bis dann einer stürzte und echt knapp ins Krankenhaus musste. 6 Wochen war der außer Gefecht.
Da war für mich klar, dass ich mich niemals auf eine solche Kiste setze.
Über einen funktionalen Roller bekam ich aber Freude am Zweiradfahren, sodass ich, auf die 40 zugehend, dann doch noch den großen 1er bzw. A gemacht habe, um auch mal "einen größeren Roller" fahren zu können. Aus dem Roller wurde ein noch größerer Roller und dann schließlich ein Motorrad.
Ich habe dann die gleichen Rückmeldungen aus dem Bekanntenkreis bekommen, wie du sie beschreibst.
Von totaler Ablehnung mit Hinweis auf die familiäre Verantwortung, neutraler Einstellung und Zustimmung ist alles dabei.
Wie gehst du denn gerade mit Familie bzw. Kindern damit im Kopf um? Kannst du das zuhause lassen, wenn du los fährst?
Gruß
NF

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der_ausreiter
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Re: Motorradfahrer Spirit

Beitragvon der_ausreiter » 28. Sep 2016, 16:49

Nautikfan hat geschrieben:Wie gehst du denn gerade mit Familie bzw. Kindern damit im Kopf um? Kannst du das zuhause lassen, wenn du los fährst?
Gruß
NF


Mich behindert das nicht. Ich habe Respekt vor den Gefahren, den brenzligen Situationen und der Unachtsamkeit der anderen Verkehrsteilnehmer, kann aber das Moped und alles was dazu gehört trotzdem noch genießen. Sobald ich Angst beim Fahren hätte, würde ich aufhören, ich glaube das macht dann auch keinen Spaß mehr.
Ich weiß genau, was auf dem Spiel steht, aber aus "Angst" nicht mehr zu fahren ist keine Option für mich. Lustigerweise hat mich niemand damals retten wollen, als ich drei Jahre Roller in Göttingen gefahren bin... da hatte ich außer einem Helm überhaupt keine Schutzkleidung und bin sogar auf Schnee gefahren :wink: :roll: und hätte auch jederzeit an der Ampel von hinten vom LKW überrollt werden können... :roll:
Meine Frau akzeptiert das Hobby (Ihr Vater fährt Harley), ich wünsche mir, dass Sie vielleicht, wenn die Kinder größer sind, mit mir auf Reisen geht, vielleicht sogar selbst fährt. Aber das wird erst in 10-15 Jahren relevant, schätze ich...

Vor zwei Jahren hatte ich einen schweren Unfall mit dem Mountainbike auf meiner "Hausstrecke". Da kam vermeintliche Routine mit Risikobereitschaft zusammen und ein Baumstumpf im hohen Gras in die Quere. Vermeintliche Routine hat mir auch meine Generalprobe in der Fahrschule einen Tag vor der Prüfung in die Suppe gespuckt. Ich versuche vorsichtig zu sein und nicht zuviel Risiko zu gehen, und ich bin heilfroh, dass ich nicht auf Sportmaschinen stehe :shock: :shock: :o

Wir werden sehen, ob das ausreicht 8)
Fährst Du öfters alleine oder mit Anderen?

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gylepomp
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Re: Motorradfahrer Spirit

Beitragvon gylepomp » 28. Sep 2016, 20:33

Ich fahre schon seit über 40 Jahren Motorrad ohne größere Unterbrechung.
Meine Frau fährt auch, und meine beiden Söhne genauso, seit sie erwachsen sind.
Meine Kinder durften hintendrauf mitfahren, sobald sie groß genug waren, daß die
Beine zu den Fußrasten reichten (eine Sitzbank hab ich extra abgespeckt deswegen).
Alle vier hatten schon mal nen Rutscher, ist aber nie groß was passiert.
Man muß nicht unbedingt immer am Limit fahren um Spaß zu haben.
Ich selbst fahre im Bereich von ca 85% von dem, was ich kann, das ist eigentlich.
schon zügig genug.
Als meine Jungs das erste Moped hatten, bin ich mit dem einen erstmal frisch mit
Führerschein die Rout Grand Alps gefahren, da hat er das gelernt, was ihm die Fahrschule
nicht beibringen konnte.
Ein Jahr später dann mit dem Jüngeren die Dolomiten.
Ich hatte noch nie Angst beim Fahren, man muß aber einfach als Motorradfahrer andere
Verkehrsteilnehmer richtig "lesen" können.
Gewisse Autotypen, Traktoren, Radfahrer etc. lassen mich immer schon mal nen
Fluchtweg suchen.
Große Empfehlung von mir: Macht mal ein Sicherheitstraining, da lernt jeder noch was,
selbst mit meinen geschätzten mehr als 700000 km mach ich das immer wieder mal.
Gruß Ulrich

CX500 (Güllepumpe), Yamaha TDM 850, Honda CM 400T, 2x Freewind, Honda Dominator, Suzuki Katana 650
(4-köpfige motorradfahrende Familie)